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?Piräus
Mitte Oktober folgte das 3. Gruppenspiel in Athen bei Olympiakos Piräus, welches durch die dortigen staatlichen Turbulenzen eine Reise ins Ungewisse war. Ausgerechnet unmittelbar vor unserem Spiel erreichte die griechische Krise einen neuerlichen Höhepunkt, die nächsten Sparpakete sollten beschlossen werden und dementsprechend war die nächste Streikwelle vorprogrammiert. Nach täglich wechselnden Meldungen war 2 Tage vor dem Spiel der letzte Stand, dass wahrscheinlich doch „nur“ am Mittwoch(dem Spieltag) ein Generalstreik angesetzt sei, aber wirklich drauf verlassen konnte man sich natürlich nicht.
Wir hofften einfach mal das Beste und so machten wir uns Montagnacht auf den Weg nach Berlin Schönefeld, wo am nächsten Morgen unser Flieger gebucht war. Der Flieger sollte auch tatsächlich planmäßig abheben, für den Rückflug gab es allerdings noch keine verbindlichen Infos. Im Flieger neben uns 6, bereits viele weitere Dortmunder, sodass man von der Crew auch extra begrüßt wurde. Wer noch keine Karte hatte konnte sich sogar, nach vorheriger Durchsage, eine an Bord erwerben. Die ersten Anzeichen, dass leider viele Fans kurzfristig auf die Reise verzichten mussten. Nach einem kurzweiligen Flug erreichten wir am Mittag Athen und bezogen unser Hostel, welches sich im Gegensatz zu Marseille als Glückgriff herausstellte. Nettes und gut englischsprechendes Personal, saubere geräumige Zimmer mit warmer Dusche sowie Frühstück im Hostel für knapp 12€ die Nacht; man ist wohl froh jeden Touristen der momentan noch nach Griechenland fliegt. Nun ging es zwecks Verpflegung weiter zum nächsten Supermarkt. Das Getränkesortiment war leider etwas verwirrend sortiert, sodass im Hostel angekommen ein findiger Käufer von uns bemerkte, dass das Bier doch etwas wässrig schmecken würde, was aber nicht allzu überraschend war, da schließlich Soda auf der Dose stand. Währenddessen bekamen wir aus Deutschland eine unerfreuliche Meldung, unser Rückflug sei nun gecancelt aufgrund der Streiks, „Na klasse!“. Benny bekam nach diversen Telefonaten raus, dass der nächste mögliche Rückflug, auf den wir noch umbuchen konnten, am Montag der nächsten Woche fliegen würde!!!! Auch im Online Portal von Easy Jet sah es so aus…Wir beschlossen erst noch abzuwarten wie sich die Streiklage entwickelt, denn noch bestand die vage Hoffnung, dass Flug regulär geht und wir somit wieder pünktlich Donnerstagabend in Deutschland sein könnten, schließlich hatten nicht alle die komplette Woche frei. Abends fuhren wir erst mal gen Innenstadt, allzu viele Borussen waren noch nicht unterwegs, doch schließlich fand man sich doch zu einem Trupp von 20-30 Personen zusammen. Im Verlauf des Abends traf eine erleichternde SMS von Easy Jet ein. Unser Flug sollte nun doch regulär gehen!! „Puhhh nochmal Glück gehabt, das Spiel kann kommen!“, dachten wir uns.
Am Spieltag wollten wir vor dem Fantreff, abseits der obligatorischen Müllberge am Straßenrand und der ankündigten Demos, wenigstens noch ein bisschen von Athen sehen und machten einen Schlenker zur Akropolis. Am Rande der dortigen Parkanlage trafen wir zufälligerweise 2 deutsche Touris, die uns den Tipp gaben einen kleinen Felshügel hochzuwandern. Gesagt, Getan…von dort aus hatten wir kostenlos den perfekten Blick auf gefühlt halb Athen und auch die Akropolis war nur einen Steinwurf entfernt. Weiter ging es zum Treffpunkt, welcher sich als eine Art größere Verkehrsgrüninsel weit abseits der Innenstadt herausstellte. Im Nachhinein kann man jedoch froh sein, denn dort hat man nicht den Hauch von den Ausschreitungen im Zuge der Demos mitbekommen. Aus Sicherheitsgründen spendierte uns Borussia Shuttle Busse für den weiteren Weg nach Piräus(dem Hafenviertel Athens), die uns direkt vor den Gästeblock chauffierten. Von dem Parkplatz, naja nennen wir es mal Hinterhof, gelangten wir durch einen Zaun schließlich in das Stadion. Schnell fanden sich die knapp 1.000 Dortmunder im Gästeblock ein, immer noch eine sehr ordentlich Zahl, wenn man die Umstände berücksichtigt. Das Spiel lief leider nicht nach unseren Vorstellungen und endete bekanntermaßen 3:1 für Piräus, was in Anbetracht der schwachen 2. Halbzeit (die einzig wirklich schwache Phase während der gesamten Gruppenphase) vollkommen in Ordnung ging. Die Stimmung seitens der Heimfans hielt den hohen Erwartungen nicht ganz stand, jedoch wurde es nach den Toren oder auch sonst in einigen Phasen, wenn plötzlich das ganze Stadion aufsprang, wirklich gigantisch laut. Nach der üblichen Blocksperre gelangten wir ähnlich unproblematisch wie auf dem Hinweg mit den Bussen wieder zurück zum Treffpunkt. Da zu dieser fortgeschrittenen Stunde keine Bahnen mehr fuhren mussten wir noch quer durch die Innenstadt um das Hostel zu erreichen. Nun konnte man das Ausmaß der Demos erahnen: Lodernde Müllhaufen am Straßenrand, aus Häuserfassenden(vornehmlich Banken) herausgeschlagene Brocken oder Pflastersteine auf den Wegen und rund um den Syntagma Platz(Vorplatz des Parlamentsgebäudes) hang immer noch ein ziemlich ätzender Tränengasschleier in der Luft.
Am nächsten Tag brachen wir früh auf, in dem Wissen das es nicht ganz einfach werden würde den Flughafen zu erreichen. Die Bahnen und Busse fuhren zwar größtenteils wieder aber zahlreiche Haltstellen waren wegen Demos gesperrt und leider wusste niemand so genau, wie man problemlos von a nach b kommen konnte. Nach zich Nachfragen und gut 3 Stunden(normalerweise braucht man knapp eine Stunde!) kamen wir schließlich doch Athener Flughafen an, wo unser Flieger zum Glück auch pünktlich ging. |